DRKHausHeader.jpg Foto: Stefan Bengtsson/ DRK
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  1. Ortsverein Geschichte

Historie Ortsverein Radevormwald Anno 1901

Gründung und Wirkungsstätte

Der Ortsverein Radevormwald blickt auf eine mehr als hundertjährige Geschichte zurück. Am 19. Februar 1901 kamen durch Aufruf des damaligen Bürgermeisters Hochstein im Rathaussaal am Marktplatz Männer und Frauen aller Berufsstände zusammen und gründeten die "Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz". Zum 1. Vorsitzenden wurde Dr. med. Küll ernannt, der auch die ärztliche Leitung übernahm. Ihm folgte nach seinem Wegzug aus Radevormwald Dr. med. Heinrich Kröncke. Ebenso war Dr. med. Ernst Budde lange Jahre als Kolonnenarzt tätig.

Zum 1. Kolonnenführer wurde bei der Gründung Franz Renth gewählt. Nach seinem Tode im Jahre 1914 wurde Hugo Fischer sein Nachfolger, der das Amt bis zum Jahr 1931 innehatte.

Im Jahre 1936 wurde die "Freiwillige Sanitätskolonne" neu geordnet und wie überall in Deutschland als "Männliche Bereitschaft" des DRK weitergeführt. Die heutige Bezeichnung lautet "Sanitätsgruppe OV Radevormwald".

Im Jahre 1902 fand sich auch ein Frauenkreis aus der Radevormwalder Bürgerschaft zusammen. Dieser arbeitete unter dem Namen "Vaterländischer Frauenverein" für wohltätige Zwecke, in den Kriegsjahren aber auch für die Soldaten an der Front. Man hielt Näh- und Handarbeitsnachmittage ab. Aus diesem "Vaterländischen Frauenverein vom Roten Kreuz" ist unser heutiger Näh- und Handarbeitskreis hervorgegangen.

Die ersten DRK-Helferinnen kamen ursprünglich aus dem "Vaterländischen Frauenverein". Größtenteils waren es zunächst die Töchter der Mitglieder, die ab 1936 die "Weibliche Bereitschaft des DRK" bildeten.

Die Übungsabende des Sanitätskolonne (später männliche Bereitschaft) mussten zunächst in verschiedenen Räumlichkeiten stattfinden, bis man im Jahre 1921 eine Unterkunft im evangelischen Jugendheim, Hochstraße, bekam. Dort fanden auch die Übungsabende der späteren weiblichen Bereitschaft statt. Die uns dort zur Verfügung stehenden Räume wurden leider beim Einzug der Amerikaner Ende des Zweiten Weltkrieges beim Stadtbeschuss durch Brand vernichtet. Ebenso wurde der größte Teil unserer Ausrüstung ein Raub der Flammen. Nach dem Kriege wurden die Übungsabende zunächst wieder notdürftig aufgenommen, teils in Schulen, später in der Wagner'schen Fabrik und im evangelischen Kindergarten, Mühlenstraße. Doch Dank der Initiative des damaligen Vorsitzenden, Herrn Dr. med. Heck, wurde endlich der langgehegte Wunsch, ein eigenes Haus zu bekommen, Wirklichkeit. Die Stadt Radevormwald stellte in der Karlstraße, heute Carl-Diem-Straße, kostenlos ein Grundstück zu Verfügung. Bauherr des Hauses war der DRK-Kreisverband Rhein-Wupper-Leverkusen e. V. in Opladen. Einen großen Teil der Baukosten hat jedoch der Ortsverein Radevormwald durch Sammlungen und Spenden bestritten. Am 2. November 1957 fand die Einweihung unseres DRK-Hauses in Anwesenheit des damaligen DRK-Präsidenten Weitz statt.

Nach einstimmigem Beschluss auf der außerordentlichen Ortsversammlung vom 21. Januar 1975 wurde der Ortsverein Radevormwald im Zuge der kommunalen Neugliederung zum 01. Januar 1975 in den DRK-Kreisverband des Oberbergischen Kreises e. V. Gummersbach aufgenommen. Außerdem wurde auf weiteren einstimmigen Beschluss der Ortsverein Radevormwald am 27. Juni 1975 in das Vereinsregister des Amtsgerichts Remscheid-Lennep eingetragen. Nun konnte auch das DRK-Haus als Eigentum dem DRK-Ortsverein e. V. überschrieben werden. Ab 01.01.1977 war das Rote Kreuz Radevormwald e. V. nun Hausbesitzer. Seit dem hat es für den Ortsverein immer wieder neue und teure Reparaturen und Anschaffungen gegeben. Die alten Holzfenster waren morsch und mussten durch neue Kunststofffenster ersetzt werden. 1979 wurden die Räumlichkeiten, in denen die Ausbildungen stattfinden, renoviert, ein neuer Teppichboden und eine neue Bestuhlung wurden angeschafft. Unter Mitarbeit der männlichen Bereitschaft wurde im Jahre 1981 eine Fertig-Doppel-Garage aufgebaut und die Zufahrt zu den Garagen hergerichtet. Um den dringend benötigten Raum für die Lagerung der DRK-Ausrüstung zu erlangen, wurde 1984 ebenfalls durch großen Einsatz der Bereitschaften ein zusätzlicher Kellerraum geschaffen. 1987 wurde die Fassade auf der Vorderfront des Hauses wärmeisoliert und neu verkleidet. Eine neue Haustür wurde eingebaut. Die Wärmedämmung und Verkleidung der übrigen Außenwände erfolgte einige Jahre später. Durch die dann noch erfolgte Umstellung der Beheizung von Nachstromspeicher auf Erdgas konnten die Heizkosten erheblich gesenkt werden. Zur Freude der Helfer/innen konnte im Jahre 1995 endlich eine neue Küche angeschafft werden, so dass die Zeit des Behelfens endlich vorüber war. Eine erneute Renovierung der Räumlichkeiten erfolgte im Jahre 2002, wobei neben einem neuen Anstrich und einem neuen Bodenbelag auch Vertikal-Jalousien vor den Fenstern angebracht wurden. 2010 wurde rund um das Haus ausgeschachtet und es wurde eine neue Drainage eingebracht. Als nächste Maßnahme wurde 2012 zur Verbesserung des Brandschutzes eine Brandschutztür zu den Kellerräumen eingebaut.

Im Jahre 2013 wurde die Überlegung, die Küche aus dem Keller ins Erdgeschoss zu verlegen, umgesetzt. Hierzu waren wieder umfangreiche Umbaumaßnahmen erforderlich. Im ersten Bauabschnitt wurden die vorhandenen Toilettenräume und der Garderobenraum zu zwei funktionalen und modernen Damen und Herren WCs umgebaut. Der nun freigewordene Platz erhielt nach umfangreicher Renovierung eine Edelstahlküche. Der OV Radevormwald ist nun in der Lage eine Einsatzverpflegung für über 100 Personen am Standort zuzubereiten.

Nachdem die restlichen Renovierungsarbeiten abgeschlossen waren wurden im Jahr 2014 noch die Garagentore ersetzt.

Frühere Einsätze und Tätigkeitsfelder

Zu den Einsätzen in den vielen Jahren unserer Tätigkeit zählt der wohl traurigste und für alle Beteiligten schwerste bei dem Zugunglück im Jahre 1971. Am 27. Mai des Jahres verunglückte ein vollbesetzter Zug mit Radevormwalder Schulkindern. Einsatzkräfte aus Radevormwald eilten zur Unfallstelle, um Verletzte zu bergen und Erste Hilfe zu leisten. Der Einsatz ging physisch und psychisch an die Grenzen der Belastbarkeit der Hilfskräfte. Eine ganze Woche waren die Toten in einer Turnhalle aufgebahrt. DRK-Mitglieder stellten die Totenwache und sorgten sich um die trauernden Hinterbliebenen. Als die Beerdigung bei sengender Sonne stattfand, gab es viele Trauergäste, die wegen Hitzschlag oder Schwächeanfällen versorgt werden mussten. Ein Einsatz, der wohl bei allen Beteiligten unvergessen bleibt.

In den Jahren von 1984 bis 1990 engagierte sich das DRK Radevormwald für junge, arbeitslose Menschen, die keinen Ausbildungsplatz finden konnten. Nach langen Verhandlungen über die Finanzierung und der Suche nach einer Meisterin und einer Gesellin sowie der Beschaffung der notwendigen Betriebs- und Einrichtungsgegenstände konnte die Lehrwerkstatt für Damenschneiderinnen mit 12 Auszubildenden eröffnet werden. Nachdem diese Ihre Gesellenprüfung abgelegt hatten, wurden erneut 10 Auszubildenden eingestellt, die ihre Ausbildung im Jahre 1990 beendeten. Aufgrund der Entspannung auf dem Arbeitsmarkt wurde die Lehrwerkstatt danach aufgelöst. Die vielen angefertigten Kleidungsstück wurden in der Kleiderstube des DRK Radevormwald an Bedürftige abgegeben.

Von 1977 - 1994 hat das DRK Radevormwald auch jährlich Schwestern-Hellferinnen-Lehrgänge (heute Pflegehilfsdienst) angeboten. Die Ausbildung lief ganztätig über vier Wochen, gegliedert in 12 Tage Einführungslehrgang, zwei Wochen Krankenhauspraktikum und zwei Tage Abschlussprüfung. Diese Ausbildung hat vielen Frauen den Weg geöffnet, im Krankenhaus oder Altenheim als "Schwesternhelferin" tätig zu sein.

Ein weiteres Aufgabengebiet, welches arbeitslosen Menschen helfen konnte, war die Schulaufgabenhilfe. Am 01.09.1987 wurden zwei arbeitslose Lehrkräfte als ABM-Kräfte eingestellt, die sich im Bürgerhaus und in der Schule Auf der Brede um Schulaufgabenhilfe für Kinder kümmerten. Im November 1995 erfolgte die Einstellung einer arbeitslosen Erzieherin als ABM-Kraft, die offene Jugendarbeit anbieten sollte. Sie hat dezentrale "Freizeitpädagogische Arbeit" an verschiedenen Orten in Radevormwald durchgeführt. Am 31.10.1997 verließ Sie Radevormwald, weil sie beim DRK-Kreisverband eine feste Arbeitsstelle als Erzieherin bekam.

Von 1991 bis 1994 führte das DRK Radevormwald eine besondere Hilfsaktion durch. Durch die Not der Menschen in den Kriegswirren in Kroatien erfolgten Zeitungsaufrufe. Die Rader Bevölkerung spendete Lebensmittel und Geld, für welches Babynahrung, Medikamente und Verbandsmaterial beschafft wurde. Den Transport nach Kroatien übernahm ein in Radevormwald lebendes, kroatisches Ehepaar. Des Weiteren startete das DRK eine Strickaktion in Rader Arztpraxen, wo wartende Patienten von bereitliegender Wolle einfache Streifen stricken konnten, welche dann zu Decken zusammengenäht wurden. Eine große Anzahl dieser Wolldecken konnte Kranke und Verletzte in den Hilfskrankenhäusern wärmen. Auch mehrfache Spenden von Röntgenfilmen für die Krankenhäuser konnten auf den Weg gebracht werden. Empfangsquittungen und Dankschreiben von Kranken- und Waisenhäusern zeigen, dass die Hilfsgüter in die richtigen Hände gekommen sind.

Am 22.09.2009 ereignete sich abermals in Radevormwald ein schwerer Verkehrsunfall. Ein Linienbus war bei Dahlhausen eine Böschung zur Wupper hinabgestürzt und umgekippt neben dem Bett des Flusses liegengeblieben. Diesmal war unsere Hilfe nicht als Sanitäter gefragt, sondern als Betreuungseinheit um die vielen Helfer mit warmen Essen und Getränken zu versorgen. Auch dieser Einsatz wird den Helfern noch lange in Erinnerung bleiben.

Unsere Ärzte, Bereitschaftsleiterinnen und -leiter und unsere Vorstandsmitglieder

Die ärztliche Leitung der Bereitschaften wurde bei der Gründung von Dr. med. Küll übernommen. Ihm folgten im Laufe der vielen Jahre Dr. med. Heinrich Kröncke, Dr. med. Karl Bückart, Dr. med. Herbert Heck, Dr. med. Richard Ziecker, Dr. med. Karl-Heinz Markau, Dr. med. Ursula Quasthoff, Dr. med. Detlef Schäfer und Dr. med. Martin Birkenfeld. Aktuell hat der Ortsverein keine ärtztliche Leitung.

Die weibliche Bereitschaft wurde von Elly Engel, Elisabeth Ziemer, Elfriede Bols, Hedwig Finke, Marlis Ronsdorf und Edeltraut Heinrich geführt. Mitte der neunziger Jahre wurde die weibliche und männliche Bereitschaft zur einer gemeinsamen Bereitschaft zusammengeführt.

Die Reihe der Bereitschaftsleiter nach Franz Renth liest sich wie folgt: Hugo Fischer, Paul Klüting, Hugo Martin, Arthur Fild, Karl-Gerd Höbler, Kurt Leicher, Eckehardt Fahrenholz, Olaf Baumann, Manfred Kaiser, Marc Doebler, Thomas Dohmen, Christian Schulz und aktuell als kommisarischer Bereitschaftsleiter Manfred Kaiser.

Nicht unerwähnt bleiben soll, dass Herrn Erich Kreckel, der sich seit 1973 in beispielhafter und aufopfernder Weise als 1. Vorsitzender für die Belange des DRK eingesetzt hat, an seinem 70. Geburtstag, am 25.02.1976, die Verdienstmedaille des DRK-Landesverbandes verliehen wurde. Nach seinem Ausscheiden aus gesundheitlichen Gründen wurde er zum Ehrenvorsitzenden des Ortsvereins ernannt. Ihm folgte als Vorsitzender Herr Emil Helmut Holzmann, Herr Dr. Josef Korsten und aktuell Herr Manfred Kaiser. Frau Marlis Ronsdorf, die ebenfalls zur Ehrenvorsitzenden des Ortsverein ernannt worden ist, kümmerte sich jahrelang als zweite Vorsitzende um die sozialen Belange des Ortsvereins.